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Automatisches Identifikationssystem A.I.S.

Automatic Identification System A.I.S.

Der Begriff Automatisches Identifikationssystem (AIS) oder englisch Automatic Identification System, auch als UAIS Universal Automatic Identification System bekannt, bezeichnet ein Funksystem, das durch den Austausch von Navigations- und anderen Daten die Sicherheit und das Flottenmanagement des Schiffsverkehrs verbessert.

Jedes Schiff, das mit einer AIS-Einheit ausgestattet ist, sendet verschiedene schiffspezifische Daten, die von jedem AIS-Empfangsgerät in Reichweite empfangen und ausgewertet werden können. Nach Internationale Seeschifffahrts-Organisation (International Maritime Organization, IMO) sind Passagierschiffe, Fähren, Frachter und Tanker über 300 BRT bis 2008, Seeschiffe seit Anfang 2005, verpflichtend mit AIS-Anlagen auszustatten.

Zu den gesendeten Daten gehören:

Statische Schiffsdaten:

  • Rufzeichen und Name
  • Länge / Breite
  • Schiffstyp
  • Maritime Mobile Service Identity (MMSI)
  • IMO Nummer

Dynamische Schiffsdaten:

  • Navigationsstatus
  • Schiffsposition
  • Kurs über Grund (COG)
  • Geschwindigkeit über Grund (SOG)
  • Vorausrichtung (Heading)
  • Drehrate (ROT)

Reisedaten:

  • Tiefgang
  • Hinweis auf eventuell an Bord befindliche Gefahrgüter
  • Reiseziel und geschätzte Ankunftszeit

Der Navigationsstatus und die Reisedaten müssen von dem Wachhabenden Offizier auf der Brücke manuell eingegeben werden.

Beispielhafte Zusammenstellung:

 

Senden der AIS-Daten 

Die AIS-Signale werden auf zwei UKW-Seefunkkanälen (normalerweise auf AIS1 und AIS2, d.h. UKW-Kanal 87B und 88B mit den Frequenzen 161,975 MHz und 162,025 MHz) mit HDLC Datenprotokoll in festem Zeitrahmen gesendet. Durch entsprechende Software oder Endgeräte werden die Daten dekodiert und z.B. als Textinformation oder ähnlich in einem Radarbild grafisch dargestellt.

Die Intervalle, in denen ein Schiff seine Daten aussendet, hängen von der Mobilität ab, d.h. von Geschwindigkeit und Kursänderungsrate ab.

Schiffstyp Sendeintervall
Schiff vor Anker oder festgemacht, langsamer als 3 kt 3 min
Schiff vor Anker oder festgemacht, schneller als 3 kt 10 s
Schiff 0 .. 14 kt 10 s
Schiff 0 .. 14 kt bei Kursänderung 3 1/3 s
Schiff 14 .. 23 kt 6 s
Schiff 14 .. 23 kt bei Kursänderung 2 s
Schiff > 23 kt 2 s
Sportboot 30 s

Verarbeiten der AIS-Daten

Der Vorteil vom AIS gegenüber dem Radar ist unter anderem, dass der wachhabende Offizier die Identität anderer Schiffe für eine direkte Kommunikation über Seefunk kennt und bei Manövern Kurs- und Geschwindigkeitsänderungen schnell automatisch übermittelt werden.

Mit AIS können zudem während der Revierfahrt auch Schiffsbewegungen hinter größeren Hindernissen erfasst werden; das Radar ist in solchen Situationen oft überfordert, da Schiffe im Radarschatten nicht erfasst werden. Die UKW-Signale des AIS erreichen diese Schattenbereiche auf Grund der größeren Wellenlänge wesentlich besser.

Des Weiteren können die Schiffsdaten direkt in die elektronische Seekarte (ECDIS, Electronic Chart Display and Information System) eingebunden werden oder durch eine separate AIS-Software verarbeitet werden, um sämtliche Schiffsbewegungen einschließlich der eigenen Position darzustellen. Eine separate Software bietet häufig eine klarere Darstellung, die Anzeige zusätzlicher über AIS verbreiteter Daten (in Erprobung: Wettermeldungen, Wasserstände) und bessere Unterstützung bei Kollisionsgefahr.

Interessant ist auch eine reine passive Nutzung der AIS-Daten: kleinere, nicht ausrüstungspflichtige Seefahrzeuge können preiswerte AIS-Empfänger benutzen, die ihnen die Position, Kurs und Geschwindigkeit der sie umgebenden ausgerüsteten Schiffe anzeigen. Die empfangenen Daten können auf einem kleinen Bildschirm am Empfänger, auf einem dafür eingerichteten vorhandenen Kartenplotter oder mit geeigneter Software auf einem separaten Laptop/Rechner dargestellt werden. Sie können sodann rechtzeitig Ausweichmanöver bei Kollisionsgefahr, insbesondere bei schlechter Sicht, einleiten.

AIS kann aber keine Radaranlage ersetzen, da etwa Militärfahrzeuge nur in Ausnahmefällen AIS-Signale aussenden und kleinere Fahrzeuge ebenfalls nicht zur Aussendung verpflichtet sind.

Ultrakurzwellen haben eine Reichweite, die die geometrische Sichtbarkeit nur wenig übersteigt. Deshalb empfangen Bodenstationen nur die Signale von Schiffen, die sich der Küste auf 50-100km nähern. Auf hoher See beschränkt sich AIS auf den Kollisionsschutz bei Annäherung. Niedrig fliegende Satelliten sollten die UKW-Signale empfangen können, sofern die Antennen omnidirektional strahlen. Orbcomm rüstet seine neuen Satelliten mit AIS-Empfängern aus. Ist der Test erfolgreich, könnte das System weltweit alle Schiffe erfassen.

Weitere Funktionen 

Außer den Schiffen sind auch SAR-Luftfahrzeuge, einige Seezeichen (Aids to Navigatin/AtoN) und Landstationen in das AIS eingebunden.

Über das AIS können auch von der IMO festgelegte Kurzmeldung übertragen werden, so dass z.B. automatischen Meßstationen auf Seezeichen aktuelle Wetter-, Wasserstands- und Strömungsdaten verbreitet können. Auf Flüssen und Kanälen, insbesondere im Bereich von Schleusen und Engstellen wird das AIS zunehmend zur Verkehrslenkung eingesetzt.

 

 
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