Richtig ankern: Ankermanöver, Kettenlänge & Tipps| Gründl Tipps & Tricks
Richtig ankern: Ankermanöver, Kettenlänge | Gründl Tipps & Tricks

Ankern – aber richtig:
So gelingt das sichere Ankermanöver

Eine Nacht vor Anker gehört für viele Segler und Motorbootfahrer zu den schönsten Erlebnissen auf dem Wasser. In einer geschützten Bucht lässt sich der Alltag schnell vergessen. Gleichzeitig kann das Ankern für den Skipper eine Herausforderung sein: Hält der Anker zuverlässig? Ist genügend Kette gesteckt? Und wie verhält sich das Boot, wenn Wind oder Strom auffrischen?

Ein gut konstruierter und zum Boot passender Anker ist die wichtigste Voraussetzung für einen sicheren Liegeplatz. Allein der richtige Anker reicht jedoch nicht aus. Auch die Wahl des Ankerplatzes, das richtige Ankermanöver und die passende Länge von Kette oder Leine spielen eine entscheidende Rolle.

Dabei gibt es keine einzige Methode, die für jeden Ankerplatz gleichermaßen gilt. Der Ankergrund kann aus hartem oder weichem Sand, Schlick, Ton, Gras oder Geröll bestehen. Auch Unebenheiten, Mulden und Erhebungen beeinflussen die Haltekraft. Zusätzlich wirken Wind und Strömung je nach Bootsgröße, Rumpfform, Tiefgang, Freibord und Verdrängung unterschiedlich auf das Schiff.

Trotzdem gibt es einige bewährte Grundregeln, die beim sicheren Ankern helfen und zum Basiswissen guter Seemannschaft gehören.

Anker & Zubehör

Ankermanöver: Schritt für Schritt richtig ankern

Das Einfahren eines Ankers sollte möglichst ruhig und kontrolliert erfolgen. Entscheidend ist, dass die Ankerflunken ausreichend Zeit bekommen, in den Grund einzudringen und Halt zu finden.

richtig ankern ankermanöver tipps bild 002

Anker

  • Fortress Anker FX-11

    Leicht, Stark & Zertifiziert

  • Ankerplex Klappanker HDG

    Starker Halt bei minimalem Stauraum

  • M-Anker feuerverzinkt

    Robuster Allround-Anker

  • Hall Anker, 4,2 kg

    Zuverlässige Verankerung für Boote und Yachten

1. Anker fallen lassen

Sobald das Boot keine Fahrt mehr durchs Wasser macht, wird der Anker zu Wasser gelassen. Die Crew lässt ihn kontrolliert ausrauschen, bis er den Grund erreicht. Anschließend wird das weitere Fieren kurz gestoppt.

2. Kette oder Leine kontrolliert ausbringen

Das Boot beginnt nun langsam achteraus zu treiben beziehungsweise wird vorsichtig zurückgesetzt. Gleichzeitig wird die Ankerkette oder Ankerleine kontrolliert ausgebracht. Sie sollte nicht einfach unkontrolliert auf den Anker fallen.

Während das Boot langsam zurücksetzt, sollte die Crew die Länge der bereits ausgebrachten Kette im Blick behalten. So lässt sich kontrolliert die gewünschte Länge erreichen.

Tipp: Nicht sofort unnötig viel Kette ausrauschen lassen. Wird zu viel Material auf einmal ausgebracht, kann sich die Kette oder Leine über den Anker legen und dessen Eingraben behindern.

richtig ankern ankermanöver tipps bild 003

3. Anker einfahren

Sobald die gewünschte Kettenlänge erreicht ist, wird das weitere Fieren gestoppt. Anschließend kann das Boot vorsichtig in den Anker einrucken. Dabei sollte sich der Anker zunehmend in den Grund eingraben.

Ein hilfreiches Zeichen ist die Bewegung des Bugs: Hat der Anker gefasst, schwingt der Vorsteven in Richtung des Ankers. Gleichzeitig kann die Spannung der Kette kontrolliert werden.

Bei einer gut gesetzten Anlage wird die Kette unter Zug gebracht. Rutscht das Grundgeschirr dagegen über den Grund, kann dies häufig an Vibrationen oder einem ungewöhnlichen Bewegungsverhalten der Kette erkannt werden.

Woran erkennt man einen rutschenden Anker?

Bei auffrischendem Wind sollte der Bug grundsätzlich in Richtung des Ankers einschwingen. Bleibt der Steven dauerhaft schräg zur Zugrichtung und vibriert die Ankerkette deutlich, kann dies auf einen rutschenden Anker hindeuten.

Wie viel Ankerkette sollte man stecken?

Die richtige Länge von Kette oder Leine ist entscheidend für die Haltekraft des Ankers. Moderne Yachtanker sollten möglichst flach über den Grund belastet werden. Je flacher der Zugwinkel am Ankerschaft, desto besser kann der Anker seine Haltekraft entwickeln.

Als bewährte Orientierung gilt bei normalen Bedingungen eine Kettenlänge von etwa dem Siebenfachen der Wassertiefe. Bei dauerhaft ruhigem Wetter kann unter passenden Bedingungen auch eine geringere Länge ausreichen, beispielsweise das Drei- bis Fünffache der Wassertiefe.

Bei der Wahl der Länge sollten jedoch immer Wetterlage, Wassertiefe, Ankergrund, Strömung, Bootsgröße und der zu erwartende Schwojkreis berücksichtigt werden. Bei auffrischendem Wind sollte grundsätzlich mehr Kette gesteckt werden.

Leine oder Kette – was ist beim Ankern besser?

Eine ausreichend dimensionierte Ankerkette bietet gegenüber einer reinen Leine deutliche Vorteile. Durch ihr Eigengewicht bildet sie unter Wasser eine natürliche Bucht und sorgt dafür, dass die Zugrichtung am Anker möglichst flach bleibt.

Besonders bei Wind und Seegang kann die Kette außerdem einen Teil der ruckartigen Belastungen aufnehmen. Dadurch wird das Einrucken des Bootes reduziert und der Anker weniger abrupt belastet.

Eine Kombination aus Ankerkette und Kettenvorlauf kann ebenfalls sinnvoll sein, insbesondere wenn Gewicht, Platz oder die Ausstattung des Bootes berücksichtigt werden müssen.

Zwei Anker miteinander verkatten

Bei starkem Wind oder schwierigen Bedingungen kann das Arbeiten mit zwei miteinander verbundenen Ankern eine zusätzliche Möglichkeit sein. Beim sogenannten Verkaten wird der Zweitanker mit dem Hauptanker verbunden.

Das Verfahren sollte kontrolliert und mit besonderer Vorsicht durchgeführt werden. Richtig eingesetzt können verkattete Anker auch auf anspruchsvollerem Ankergrund zusätzlichen Halt bieten.

Ankern in Tidengewässern

In Tidengewässern muss zusätzlich die Änderung der Strömungsrichtung berücksichtigt werden. Bei einem Stromwechsel kann sich das Boot um den Anker drehen und dabei eine neue Zugrichtung auf das Grundgeschirr ausüben.

In solchen Situationen kann ein zweiter Anker sinnvoll beziehungsweise erforderlich sein. Der Hauptanker wird dabei gegen die aktuelle Strömung ausgebracht und eingefahren. Anschließend wird der zweite Anker in die entgegengesetzte Richtung der zu erwartenden Strömung gelegt.

Dreht der Strom, verändert sich auch die Zugrichtung des Bootes. Der zweite Anker kann dann die neue Belastungsrichtung übernehmen.

Wichtig: Beim Ankern in Tidengewässern sollte nicht nur die aktuelle Wassertiefe und Strömung betrachtet werden. Auch der erwartete Wasserstandswechsel und die veränderte Zugrichtung des Bootes müssen bei der Planung berücksichtigt werden.

Wann ist ein Zweitanker sinnvoll?

Ob bei stärkerem Wind ein zweiter Anker eingesetzt werden sollte, hängt von den jeweiligen Bedingungen und vom verwendeten Ankergeschirr ab. Besonders sinnvoll kann ein Zweitanker sein, wenn der Schwojkreis begrenzt werden muss oder die Wetterbedingungen schwieriger werden.

Werden zwei Anker eingesetzt, sollten diese nicht direkt nebeneinander liegen. Ein Winkel von ungefähr 30 Grad zwischen den beiden Ankerlinien kann dabei eine sinnvolle Orientierung darstellen.

Ankerboje und Sorgleine

Bei großen Ankertiefen oder wenn Zweifel am Ankergrund bestehen, kann eine Ankerboje oder Sorgleine eine wertvolle Ergänzung sein.

Eine Ankerboje zeigt die Position des gesetzten Ankers an und kann gleichzeitig dabei helfen, den Anker bei Bedarf wieder zu bergen. Die Position des Ankers bleibt dadurch auch für die Crew sichtbar.

Eine Sorgleine erfüllt einen ähnlichen Zweck. Sie kann das Auffinden und Bergen des Ankers erleichtern und bietet zusätzliche Sicherheit, wenn der Anker tief liegt oder sich schwer lösen lässt.

Achtung bei der Sorgleine: Die Sorgleine sollte ausreichend lang sein und darf den Anker nicht aus dem Grund ziehen. Ihre Länge muss deshalb an die tatsächlich gesteckte Kettenlänge und die Wassertiefe angepasst werden.

Die wichtigsten Tipps zum sicheren Ankern

  • Verwenden Sie einen zum Boot passenden und ausreichend dimensionierten Anker.
  • Berücksichtigen Sie die Beschaffenheit des Ankergrundes.
  • Bringen Sie den Anker kontrolliert und nicht mit unnötig hoher Geschwindigkeit aus.
  • Stecken Sie ausreichend Kette beziehungsweise Leine.
  • Fahren Sie den Anker kontrolliert ein und prüfen Sie, ob er zuverlässig hält.
  • Beobachten Sie bei auffrischendem Wind die Position und Bewegung des Bootes.
  • Berücksichtigen Sie in Tidengewässern die Änderung der Strömungsrichtung.
  • Setzen Sie bei schwierigen Bedingungen oder begrenztem Schwojkreis gegebenenfalls einen zweiten Anker.
  • Eine Ankerboje oder Sorgleine kann das Bergen des Ankers erleichtern.

 

Fazit: Richtig ankern bedeutet Vorbereitung

Sicheres Ankern ist keine komplizierte Wissenschaft. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus einem passenden Anker, ausreichend dimensioniertem Ankergeschirr, einer geeigneten Kettenlänge und einem kontrollierten Ankermanöver.

Wer zusätzlich den Ankergrund, Wind, Strömung und den möglichen Schwojkreis berücksichtigt, schafft die besten Voraussetzungen für einen sicheren und entspannten Aufenthalt vor Anker.

Besonders bei wechselnden Wetterbedingungen sollte die Situation regelmäßig kontrolliert werden. Denn auch ein zunächst sicher gesetzter Anker kann durch Winddrehungen, Strömungswechsel oder Veränderungen des Untergrundes belastet werden.

Anker & Anlegezubehör im GRÜNDL Zubehörshop entdecken

Im GRÜNDL Zubehörshop finden Sie eine große Auswahl an Ankern, Ankerketten, Ankerleinen und weiterem Zubehör für das sichere Ankern und Anlegen von Booten und Yachten. Mit der passenden Ausrüstung schaffen Sie die Grundlage für zuverlässige Ankermanöver und entspannte Liegezeiten.

Weitere Informationen finden Sie hier:

Anker & Anlegezubehör im GRÜNDL Zubehörshop ansehen